Mitarbeiterengagement:

Der Mensch als Erfolgsfaktor

Hohes Mitarbeiterengagement und Commitment sind zwei der größten Wettbewerbsvorteile für Unternehmen – ganz besonders in Zeiten häufiger Arbeitgeberwechsel und des Fachkräftemangels. Wie die weltweite Studie „State of the Global Workplace“ von Gallup 2017 jedoch zeigte, arbeiten nur 13 Prozent der Mitarbeiter weltweit mit vollem Einsatz und hoher Motivation. Mangelnde Motivation hat jedoch fatale Auswirkungen. Im schlimmsten Fall sind Mitarbeiter der Kündigung näher als einem glücklichen Arbeitsalltag. Das ist nicht nur für sie selbst frustrierend, sondern bedeutet auch für die Arbeitgeber einen großen Verlust. Zum Beispiel sorgen krankheitsbedingte Ausfälle und Fehlzeiten, die bei demotivierten Mitarbeitern wesentlich häufiger auftreten, für deutliche Mehrkosten. Im gesamtwirtschaftlichen Kontext gesehen, bedeutet fehlendes Mitarbeiterengagement Verluste für die Volkswirtschaft in Milliardenhöhe, wie das Bundesministerium für Arbeit und Soziales in seinem Bericht rund um Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit 2015 feststellte. Ein starkes Argument dafür, sich jetzt mit dem Thema Mitarbeiterengagement auseinanderzusetzen.

Mitarbeiterengagement ist Chefsache

Die Steigerung der Mitarbeiterzufriedenheit ist nicht länger eine HR-Aufgabe, sondern Chefsache. Wie beispielsweise die “Talent Edge 2020“-Studie von Deloitte zeigt, sehen 83 Prozent der Führungskräfte großer Unternehmen die Verbesserung ihrer internen Förderprogramme als besonders wichtig an. Häufig fehlt aber das Wissen, welche Maßnahmen wirklich sinnvoll sind und wie Mitarbeiter zu großem Einsatz motiviert werden können. Mitarbeiterengagement gehört deshalb zu den top Herausforderungen von Unternehmen in den kommenden Jahren.

Wie können Sie jetzt das Thema Mitarbeiterengagement angehen? Was ist nötig, um das Engagement und Commitment Ihrer Mitarbeiter langfristig zu fördern? Wie spornen Sie Ihre Mitarbeiter an, täglich ihr Bestes zu geben? Die Antworten auf diese Fragen beginnen mit einem grundlegenden Verständnis für die Bedeutung des Konzepts Mitarbeiterengagement:

Was bedeutet Mitarbeiterengagement eigentlich?

Mitarbeiterengagement lässt sich nur schwer definieren und von Merkmalen wie der Mitarbeiterbindung und -motivation abgrenzen. Diese Einstellungen und Konzepte sind eng verwoben und beeinflussen sich gegenseitig. Grundsätzlich lässt sich aber festhalten: das Konzept des Mitarbeiterengagements bezeichnet, in welchem Umfang ein Mitarbeiter sich selbst in seine Arbeit und seine Aufgaben einbringt. Wie er denkt, fühlt und handelt, um zur Umsetzung der Unternehmensziele beizutragen. Engagement lässt sich gewissermaßen auch als Motivation mit Blick auf andere Menschen beschreiben. Während intrinsische Motivation uns selbst voranbringt, ist Engagement der Wille, das Team und das Unternehmen im Allgemeinen mit seiner Arbeit voranzubringen und die Ziele seiner Abteilung/seines Projekts zu erreichen.

Ein engagierter Mitarbeiter ist positiv gegenüber seiner Arbeit eingestellt, investiert viel Energie in sie, bringt dadurch höhere Leistungen und geht über das gesetzte Ziel hinaus. Er bewältigt nicht nur einzelne Aufgaben und wartet auf Anweisungen, sondern sieht auch den größeren Kontext, denkt mit und bringt eigene Ideen ein. Damit tragen engagierte Mitarbeiter direkt zum Unternehmenserfolg bei und schaffen eine hohe Kundenzufriedenheit. Außerdem sind sie seltener krank und wechseln seltener den Arbeitgeber.

Grundlage für Mitarbeiterengagement

Das Fundament für langfristige Motivation und Einsatz über den „Dienst nach Vorschrift“ hinaus, ist weder Gehalt noch Beförderung. Es ist die emotionale Bindung zum Unternehmen. Denn davon ist die Bereitschaft, über die Erwartungen hinauszugehen, mehr zu geben und für die Unternehmensziele und -strategien zu kämpfen, abhängig. Emotional gebundene Mitarbeiter sind mit Herzblut bei der Sache und strengen sich deshalb automatisch mehr an. Man merkt diesen engagierten Mitarbeitern an, dass sie lieben, was sie tun und für ihre Arbeit brennen. Das alles ist nur möglich, wenn eine positive psychologische Verbindung zwischen Arbeitnehmer und Unternehmen besteht.

Jeder Mitarbeiter kann engagiert sein

Vermeiden Sie es aber, Ihren Mitarbeitern generell ein hohes oder niedriges Engagement zuzuschreiben. Jeder Mitarbeiter kann je nach konkreter Tätigkeit, Rolle und der Phase in seinem Arbeitsleben unterschiedlich engagiert sein und Motivation aufbringen.

Zusätzlich spielen auch persönliche Faktoren eine Rolle. Deshalb ist ein sensibler Blick der Führungskräfte gefragt. Pauschalisierung sollte vermieden werden. So gibt es Menschen, die sich stark sozial im Team engagieren und besonders emotional kompetent sind. Daneben gibt es diejenigen, die sich stets mit neuen Ideen einbringen und selbstbewusst ihren Standpunkt vertreten. Andere Mitarbeiter konzentrieren sich vorrangig auf ihren Aufgabenbereich und erbringen hier überdurchschnittliche Leistungen – das aber eher hinter den Kulissen. Alle zeigen gleichermaßen hohes Engagement, das sich in unterschiedlichen Formen je nach Persönlichkeit äußert. Faktoren wie Gehalt oder Benefits haben auf diese Persönlichkeitsmerkmale keinen Einfluss.

Was Arbeitgeber aber ganz konkret beeinflussen können, ist die emotionale Verbundenheit Ihrer Mitarbeiter zum Unternehmen. Hier gibt es zahlreiche Faktoren, die das Engagement positiv beeinflussen und fördern können:

Inspirierende Führungskräfte

Führungskräfte haben einen besonders hohen Einfluss auf das Mitarbeiterengagement. Es bewerten allerdings nur 21 Prozent der Mitarbeiter ihre Führungskraft als positiv und motivierend, wie aus der weltweiten Gallup Studie von 2017 hervorgeht. Besonders ausschlaggebend für die emotionale Bindung zum Unternehmen ist das Interesse des Arbeitgebers an der Person des Mitarbeiters. Sich im Unternehmen wahrgenommen und geschätzt zu fühlen, ist ein zentraler Faktor für das Mitarbeiterengagement. Hat ein Mitarbeiter das Gefühl, seiner Führungskraft nicht wichtig zu sein, ist ihm auch das Unternehmen egal. Ein weiterer großer Punkt ist Vertrauen. Führungskräfte sollten klar kommunizieren und fair in ihren Entscheidungen bleiben, um das Vertrauen der Mitarbeiter zu gewinnen, Sicherheit zu vermitteln und damit motivierend zu wirken.

Was ist also wichtig, um gerade Millennials richtig zu führen?

  • Vertrauen aufbauen
  • Feedback geben
  • Leistungen würdigen und Ideen unterstützen

Das hilft auch dabei, Leistungsträger langfristig zu halten. Zur Wertschätzung gehören nicht nur Beförderungen und Gehaltserhöhungen, sondern auch aktives Lob und das Ernstnehmen neuer Ideen und Anregungen. Andernfalls wird besonderes Engagement im Keim erstickt.

Spannende und abwechslungsreiche Arbeit

Auch die Begeisterung für das, was man tut, hat einen enorm großen Einfluss darauf, wie stark man sich engagiert. Deshalb sind Eigenständigkeit, Abwechslung bei den Aufgaben und die Übernahme von Verantwortung besonders wichtig. Monotone Arbeit sorgt schnell für Unzufriedenheit und ein belastendes Gefühl von Sinnlosigkeit. Um täglich Energie zu investieren, sind Perspektiven und Maßnahmen zur Weiterentwicklung unerlässlich. Dabei spielt auch das Gleichgewicht zwischen Herausforderungen und vertrauten Aufgaben eine wichtige Rolle für engagierte Mitarbeiter. Die Aufgaben, die Sie als Führungskraft stellen, sollten mit den Kompetenzen des Mitarbeiters zusammenpassen, ohne ihn zu über- oder unterfordern. Letztlich kann sich Ihr Mitarbeiter im Unternehmen noch so wohlfühlen und seine Führungskraft beste Arbeit leisten. Wenn der jeweilige Job keine Freude macht, wird er nicht auf Dauer bleiben – egal ob im Vorstand oder am Empfang.

Sinn der Arbeit

Die spannendste Tätigkeit wird auf Dauer nicht motivieren, wenn der Sinn der eigenen Arbeit nicht erkennbar ist. Und damit ist nicht die Bezahlung und Sicherung des Lebensunterhalts gemeint. Auch bei hohem Gehalt wird eine sinnlose Arbeit auf Dauer unattraktiv. Besonders für die Vertreter der Millennials ist ein ersichtlicher Sinn hinter ihrer Arbeit das Wichtigste. Das bedeutet für Arbeitgeber in erster Linie, sich mit dem Sinn ihrer eigenen Tätigkeit auseinanderzusetzen. Warum begeistern Sie sich für das Unternehmen/die Produkte? Wie tragen Sie dazu bei, Kundenbedürfnisse zu befriedigen? Diesen Sinn gilt es auch den Mitarbeitern zu vermitteln und darüber hinaus die Bedeutung der Tätigkeit in übergeordneten Prozessen und der zugrundeliegenden Strategie zu erklären. Die Vision des Unternehmens muss jedem einzelnen Mitarbeiter bekannt und verständlich sein. Egal, wie klein seine Rolle ist. Nur so können Sie ein Unternehmen führen, in dem alle tatsächlich an einem Strang ziehen.

Innovationskultur und Räume für Ideen

Ganz besonders im Wettstreit um digitale Fachkräfte ist die Innovationskultur von Unternehmen ausschlaggebend. Junge Talente scheitern leider zu oft an festgefahrenen und starren Strukturen. Nichts ist für sie demotivierender, als wenn neue Ideen und Initiativen versanden. Viel Arbeit und Einsatz fließen in neue Konzepte, die nie den Weg in die Umsetzung finden. Um das Mitarbeiterengagement hoch zu halten, brauchen auch langjährige Mitarbeiter Raum für neue Ideen. Besonders motivierend sind neue agile Methoden und Kreativitätstechniken zur Ideenfindung wie Design Thinking, das die Anwender in den Mittelpunkt stellt und damit einen anderen Denkansatz schafft. Für solch innovative Formate ist auch ein Ortswechsel ratsam, um den Prozess der Ideenfindung zu fördern. Co-Working Spaces entstehen gerade vielerorts zu diesem Zweck. Es können aber auch die Räumlichkeiten Ihres Unternehmens sein. Oft reicht es schon aus, Zeit und Raum für Ideen zu schaffen, um das Mitarbeiterengagement zu fördern. Mitarbeiter merken, dass sie etwas bewegen können. Dieser Ausbruch aus dem Arbeitsalltag kann auch für ein starkes Gefühl von Wertschätzung sorgen.

Zugehörigkeitsgefühl & Unternehmenskultur

Zugehörigkeitsgefühl und eine offene Unternehmenskultur, in der sich die Mitarbeiter wohlfühlen, entscheiden häufig darüber, wie lange Mitarbeiter im Unternehmen bleiben und auch darüber, wie engagiert sie arbeiten. Ein gutes Verhältnis zu den Kollegen und ein angenehmes Betriebsklima fördern den Willen der Mitarbeiter, ihr Bestes für das Unternehmen zu geben. Während vor einigen Jahren harte Konkurrenz zwischen Kollegen forciert wurde, um Erfolge zu erzielen, verlassen viele Talente Unternehmen heutzutage genau wegen dieser schlechten Teamatmosphäre. Um ein positives Zugehörigkeitsgefühl zu schaffen, ist eine Kommunikation auf Augenhöhe, Teamwork und eine Vernetzung der Mitarbeiter durch Teamevents wichtig. Auch hinsichtlich der Belohnungssysteme ist es wichtig, Erfolge gemeinsam zu feiern und Teamleistungen auch als solche anzuerkennen. Das spornt jedes Teammitglied an, in seinem Aufgabenbereich das Beste zu geben.

Was nun?

Wenn Sie noch unsicher sind, in welchem Bereich Sie am besten anfangen sollen, um jetzt das Mitarbeiterengagement nachhaltig zu steigern, dann wenden Sie den Blick nach Innen. Anonyme Mitarbeiterbefragungen sind eine großartige Möglichkeit, echte Veränderung anzustoßen. Sie geben Ihren Mitarbeitern die Chance, Feedback zu geben und Dinge anzusprechen, die sie im direkten Austausch mit ihrem Vorgesetzten vielleicht nicht preisgeben würden. Aus einer gut durchdachten und fokussierten Befragung können Sie wertvolle Erkenntnisse für sinnvolle Maßnahmen hinsichtlich der genannten Einflussfaktoren gewinnen und direkt in die Umsetzung gehen.

Bild: Getty Images/EmirMemedovski