Kununu:

Mit dem gefürchteten
Arbeitgeberbewertungsportal
richtig umgehen

Kununu, was erstmal klingt wie eine unbekannte Frucht oder ein Kinderspielzeug, raubt HR Abteilungen und Chef Etagen meiner Erfahrung nach immer öfter den Schlaf. Da sich die Bewertungen und das Ranking nicht von der Unternehmensseite her steuern oder beeinflussen lassen, löst die Firmenbewertung häufig Unbehagen aus. Doch was genau steckt hinter dem Arbeitgeberbewertungsportal und wie können Sie es richtig nutzen?

 

Die Bedeutung von Kununu für Ihr Employer Branding

Das Wort Kununu stammt aus der ostafrikanischen Verkehrssprache Suaheli und bedeutet „unbeschriebenes Blatt“. Mittlerweile ist aber kaum ein Unternehmen in Deutschland ein unbeschriebenes Blatt auf dem höchstfrequentierten Arbeitgeberbewertungsportal. Vom DAX-Konzern bis zum Bäcker an der Ecke wurde jedes Unternehmen bereits von aktuellen oder ehemaligen Mitarbeitern auf Kununu bewertet. Das Arbeitgeberbewertungsportal, 2013 von Xing gekauft, hat in den letzten Jahren enorm an Bedeutung gewonnen. Bereits 2007 gegründet, war es lange still um das Portal, doch mittlerweile finden sich in Deutschland knapp 2,5 Millionen Bewertungen. Jeder Dritte vergleicht hier während seiner Jobsuche die Profile und Bewertungen künftiger Arbeitgeber. Bei den jungen Nachwuchskräften ist sogar jeder Zweite auf der Suche nach einem authentischen Einblick auf dem Portal unterwegs. Dadurch ist die Kununu Bewertung zu einer Art Gradmesser für den Erfolg eines Unternehmens im Bereich Employer Branding geworden. Der produktive Umgang mit dem Portal sollte daher auch ein fester Bestandteil einer modernen Personalmarketing-Strategie sein.

 

Wie funktionieren Kununu-Bewertungen?

Kununu funktioniert ganz ähnlich wie klassische Kundenbewertungsplattformen. Nutzer können hier ohne Registrierung ihren Arbeitgeber bewerten. Dafür müssen Sie nur eine E-Mail-Adresse angeben, die nicht veröffentlicht wird, und vermerken, ob sie ihren aktuellen oder vergangenen Job bewerten oder vielleicht auch nur den Bewerbungsprozess. Mit klassischen Sternebewertungen (eins bis fünf) sowie textlichen Bewertungen unterschiedlichster Themen wie Führung, Unternehmenskultur und gebotenen Lohnnebenleistungen kann sich hier jeder anonym zu Wort melden. Potenzielle Bewerber erhalten so auf Kununu einen Einblick in zahlreiche individuelle Bewertungen von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, Ehemaligen, Azubis oder auch Bewerbern, die nur den Bewerbungsprozess durchlaufen haben. Das schafft eine neue Transparenz, gewissermaßen einen Blick hinter die Kulissen des Unternehmens. Was früher Mundpropaganda war, ist heute mit ein paar Klicks recherchiert und digital nachvollziehbar. Für Bewerber also ein starkes Tool – Unternehmen stehen jedoch häufig vor der Herausforderung, damit richtig umzugehen. Was tun bei negativen Bewertungen? Wie stellt man Dinge richtig und wie reagiert man, ohne die Sache zu verschlimmern?
 

Müssen sich Unternehmen bewerten lassen?

Die Frage scheint auf den ersten Blick vielleicht absurd, aber ich wurde nicht nur ein Mal gefragt, ob man so ein Kununu Profil denn nicht einfach löschen könne. Wer darauf auch jetzt noch im Stillen hofft, tut das leider vergebens. Das Recht des Portals auf Kommunikationsfreiheit überwiegt laut BGH dem Recht eines Unternehmens auf informationelle Selbstbestimmung. Den Bewertungen können Sie also nicht aus dem Weg gehen. Deshalb ist es umso wichtiger, den richtigen Umgang mit dem Portal zu lernen und das Potenzial möglichst positiv für Sie zu nutzen.

 

Tipp 1: Kununu proaktiv nutzen

Grenzen Sie sich von Mitbewerbern ab und gestalten Sie Ihre Präsenz auf Kununu proaktiv mit. So können Sie von Ihren Bewertungen sogar profitieren und mit Ihrem Ranking Aufmerksamkeit erlangen. Es kann auch sinnvoll sein, ein sogenanntes Xing Employer Branding Profil anzulegen, das mit Kununu verknüpft werden kann. Hier können Sie nicht nur Ihr Logo, Fotos, Videos und detailliertere Informationen zu Ihrem Unternehmen für den Arbeitnehmer online verfügbar machen, sondern die Besucherstruktur Ihrer Seite analysieren. Die Preise sind gestaffelt nach Mitarbeiterzahl und beginnen bei 395 Euro für Unternehmen bis 200 Mitarbeiter. Gerade kleine und mittlere Unternehmen können von der Sichtbarkeit profitieren. Überwiegend gute Bewertungen ziehen wiederum qualifizierte Bewerber an. Denn kaum ein Argument macht Sie als Arbeitgeber begehrlicher als die glaubwürdige positive Bewertung eines bestehenden Mitarbeiters. Und auch aus kritischen Stimmen können Sie als Unternehmen einen positiven Effekt generieren, indem Sie anhand des Feedbacks Verbesserungspotentiale entdecken und umsetzen.
 

Tipp 2: Mitarbeiter zur Bewertung ermutigen

Ihre zufriedenen Mitarbeiter sind Ihr bestes Aushängeschild. Zögern Sie deshalb nicht, sie aktiv aufzufordern, eine Bewertung abzugeben. Das signalisiert auch eine offene Feedback-Kultur. Bitten Sie Ihr Team, die Außenwirkung Ihres Unternehmens zu unterstützen. So kann jeder seinen ganz eigenen Beitrag leisten, um neue tolle Talente für das Unternehmen zu gewinnen. Tendenziell äußern sich unzufriedene und frustrierte Mitarbeiter viel häufiger und „lauter“ als zufriedene. Deshalb sollten Sie genau diese weniger mitteilungsbedürftigen Mitarbeiter aktivieren, damit sich auf Kununu ein realistisches Gesamtbild zeichnet. Und nicht nur das: auch die Quantität und das Datum der Beiträge auf Kununu zählt. Um ins Ranking zu gelangen, braucht ein Unternehmen mindestens 23 Bewertungen auf kununu. Mindestens eine Beurteilung muss dabei aus dem aktuellen Jahr stammen.
 

Tipp 3: Kritik ernst nehmen

Seien wir ehrlich: negative Kommentare liest kein Arbeitgeber gern. Die meisten von Ihnen haben sich sicher schon mal im Stillen geärgert. Letztlich fokussiert man sich doch immer auf die eine negative Stimme, selbst wenn 20 positive Bewertungen danebenstehen. Das kann ich zwar absolut nachempfinden, doch am Ende hilft Ihnen das nicht weiter. Es gibt zwar Bewertungen, die wie aus Rache geschrieben wirken und schlichtweg Unwahrheiten enthalten. Auf der anderen Seite gibt es aber auch Bewertungen, die ernsthaft auf Punkte hinweisen möchten, die verbesserungsbedürftig sind. Ich kann Ihnen nur ans Herz legen, diese Kommentare auch als Chance zu sehen. Es ist wichtig, die Kritik nicht abzustreiten oder zu leugnen, sondern sie ernst zu nehmen und an den Punkten zu arbeiten, um Mitarbeiter länger zu halten. Nehmen Sie solche Kommentare als Anlass, um auf Ihr Team zuzugehen, der Kritik auf den Grund zu gehen und die Pain Points zu ermitteln. Das setzt ein wertvolles Signal für Ihre Mitarbeiter: Sie nehmen sie ernst und sind bereit, an den Bedingungen zu arbeiten.
 

Tipp 4: Den Dialog suchen

Doch nicht nur der interne Umgang mit der geäußerten Kritik ist ausschlaggebend. Wichtig ist auch, wie Sie bei Kununu auf kritische Kommentare reagieren. Das ist für Bewerber meist viel entscheidender als die Kritik selbst. Nutzen Sie die Kommentarfunktion, um zu den individuellen Bewertungen ehrlich und sachlich Stellung zu nehmen und Ihre Sicht auf die Dinge zu vermitteln. Dafür lautet das Credo: lesen Sie genau und versuchen Sie die Kritik aus den Augen des Bewerters zu sehen. Verzichten sie darauf, spontan und – leider oftmals – emotional aufgeladen „zurückzuschießen“ und vermeiden Sie auch unbedingt Standarttexte und Floskeln. Wer auf jede Kritik und sogar schwerwiegende Vorwürfe mit dem immer gleichen Text antwortet, tut sich keinen Gefallen und erntet im schlimmsten Fall einen Shitstorm. Bieten Sie lieber einen ernst gemeinten weiterführenden Dialog an. Wenn Sie zusätzlich eine Kontaktmöglichkeit angeben, wirken sie noch glaubwürdiger. Idealerweise nennen Sie sogar einen konkreten Namen. Denn Bewerter können auf Ihre Stellungnahme nicht nochmal über das Portal reagieren. Mein Tipp deshalb: richten Sie eine Mail Adresse für solche Fälle ein oder arbeiten Sie mit einem professionellen Compliance Dienstleister zusammen, der ein anonymes Beschwerdemanagement ermöglicht.
 

Tipp 5: Die Kununu Bewertung löschen lassen?

Eine Frage, die viele Unternehmen bewegt: Wie kann ich Kununu Bewertungen löschen lassen? Dass das gar nicht so einfach ist, haben vermutlich schon einige von Ihnen erlebt. Denn auch die Bewertungen fallen unter den Schutz der Meinungsfreiheit. Eine Löschung kann nur beantragt werden, wenn falsche Tatsachen behauptet werden oder es sich um eine Beleidigung oder Schmähkritik handelt. In diesem Fall sollten Sie den Kununu Support kontaktieren. Bei falschen Behauptungen sind Sie allerdings gefordert, nachzuweisen, dass die Bewertung nicht der Wahrheit entspricht. Das ist in den meisten Fällen sehr schwierig. Entsprechen die Bewertungen nicht den gesetzlichen Richtlinien oder moralischen Kriterien der Plattform, kommt das Team von Kununu der Löschung aber nach. Mit Nachdruck abraten möchte ich Ihnen von gefälschten Bewertungen, um radikale Kritiken auszugleichen. Das fällt den Usern schneller auf, als Sie auf den folgenden Shitstorm reagieren können. Auch von den zahlreichen Dienstleistern, die Ihnen Rechtsbeistand beim gerichtlichen Löschen-Lassen von unerwünschten Arbeitgeberbewertungen anbieten sollten Sie die Finger lassen. Solche Verfahren ziehen sich meist über Jahre in die Länge und haben einen wahren Schlagabtausch auf dem Portal zur Folge.
 

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