Studienabbrecher

gegen den Fachkräftemangel

Studienabbrecher haben es nicht leicht. Besonders junge Menschen leiden häufig unter dem Gefühl, versagt zu haben. Auch Arbeitgeber schauen oft skeptisch auf Lebensläufe mit abgebrochenem Studiengang. Wie die letzte Befragung des Deutschen Zentrums für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW) aber zeigt, brechen rund ein Drittel der Bachelor-Studierenden ihr Studium ab. Besonders hoch ist die Quote unter den Studierenden der Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik. Der Studienabbruch ist also weit verbreitet. Stellt man dieses Phänomen allerdings einmal den offenen Ausbildungsplätzen gegenüber (2018 waren es allein 58.000), kann sich das Thema Studienabbruch schnell in eine Chance für Unternehmen verwandeln. Höchste Zeit also, umzudenken und Studienabbrecher als potenzielle Auszubildende zu betrachten.

 

Den Fachkräftemangel durch Umdenken bezwingen

Wer über den Tellerrand blickt, anstatt sich nur auf Abiturienten oder Jugendliche mit Mittlerer Reife zu fokussieren, kann seinen potenziellen Bewerberkreis erheblich erweitern. Studienabbrecher stehen Ausbildungen meist sehr offen gegenüber – und sind darüber hinaus zeitnah verfügbar, da sie an keine Fristen gebunden sind. Auch ein verspäteter Einstieg in die Ausbildung ist so unter Umständen möglich, um freie Ausbildungsplätze auch im Nachhinein zu befüllen. Studienabbrecher können also ein wahrer Gewinn für Ihr Unternehmen sein.

 

Studienabbrecher sind ein Gewinn, keine Versager

Wer sein Studium nicht beendet hat, verschweigt das in seiner Bewerbung immer noch gern. Dabei liegen ihre Vorteile für Unternehmen auf der Hand: Sie sind meistens älter und dadurch oft reifer. So haben sie mehr Motivation für ihre nächste Erfahrung im Berufsleben und brechen Ausbildungen seltener ab. Neben erster Praxiserfahrung durch Praktika sind Studienabbrecher es auch gewohnt, selbstständig zu lernen und zu arbeiten. Wer vorher ein thematisch ähnliches Studium absolviert hat, kann darüber hinaus mit wichtigen Vorkenntnissen punkten. Überschneiden sich ehemaliger Studiengang und Ausbildung zusätzlich thematisch, kann die absolvierte Zeit an der Hochschule oder Universität angerechnet werden – was die Ausbildungszeit stark verkürzt. Damit können Sie als Arbeitgeber Kosten einsparen und bekommen ausgebildete Fachkräfte quasi im Expressprogramm.

 

Die Gründe für den Studienabbruch sind wichtig

Sie sollten jedoch unbedingt in Erfahrung bringen, aus welchen Gründen das Studium abgebrochen wurde. Denn daraus lässt sich auf die Motivation hinter der Bewerbung schließen. Kam es zur Zwangsexmatrikulation, weil eine bestimmte Prüfung nicht bestanden wurde? Wurde während des Chemiestudiums festgestellt, dass nicht mehr der Lehrerberuf das Ziel ist, sondern eine Tätigkeit als Laborant? Oder geht es um den Wunsch nach mehr Praxisbezug? In solchen Fällen ist die Passion für den Themenbereich immer noch da. Wurde das Studium allerdings aufgrund fehlender Motivation an den Nagel gehängt, sollten Sie lieber noch einmal nachfragen, wieso Interesse an einer Ausbildung im gleichen Bereich besteht. Denn in diesem Fall ist der Ausbildungsberuf vielleicht nicht die richtige Entscheidung.

 

Studienabbrecher gezielt auf sich aufmerksam machen

Zeigen sie Studienabbrechern ganz direkt, dass Sie an ihnen interessiert sind und machen Sie das zu einem festen Teil Ihrer Recruiting-Strategie. Präsenz an regionalen Universitäten und Fachhochulen ist dabei besonders wichtig. Universitäten und Fachhochschulen bieten meist Beratungsangebote, die Studierende in Krisenzeiten unterstützen. Für Arbeitgeber lohnt es sich, hier direkt anzuknüpfen. Denn nur, wenn die Universität darüber informiert ist, welche Unternehmen Studienabbrecher suchen, können sie diese auch zur Sprache bringen. Kooperationen mit Universitäten und Hochschulen sind aus diesem Grund ebenfalls ein wichtiges Instrument. Wer sich für Praktikumsplätze oder Projekte an Lehrstühlen zur Verfügung stellt, bleibt im Gedächtnis. Denn Studierende können dort praktische Erfahrungen sammeln und erhalten bereits einen Einblick in das Unternehmen. Auch Karrieretage eignen sich gut, um sich Studierenden vorzustellen. Mit Kammern und Arbeitsagenturen in den Austausch zu gehen, lohnt sich ebenfalls, denn auch diese können Studienabbrechern bei ihrer Suche nach Alternativen konkrete Anlaufstellen nennen. Ein besonders wichtiger Teil der Recruiting-Strategie sind auch die Social-Media-Kanäle. Wer sich dort aktiv positioniert, hat gute Chancen, diese Zielgruppe zu erreichen.
Vergessen Sie auch den Klassiker der Stellenanzeige nicht, um Ihr Anliegen deutlich zu machen. Sie können die Ausschreibung nutzen, um zu zeigen, dass der Ausbildungsberuf auch für ehemalige Studierende geeignet ist. Und noch ein Tipp: der Verweis auf eine eventuelle, spätere Fortsetzung des Studiums parallel zum Beruf kann für Interessierte besonders auf lange Sicht ein großes Plus sein.

 

Langfristige Bindung durch gezielte Fördermaßnahmen

Sie können auch mit weiteren Maßnahmen punkten, zum Beispiel, indem sie einen Teil der Kosten für die berufliche Ausbildung übernehmen. Dazu können Ausgaben für Lehrmaterialien oder Teilnahmegebühren für bestimmte Seminare zählen. Eine motivierende Maßnahme kann es auch sein, die Finanzierung an den erfolgreichen Abschluss des Auszubildenden zu koppeln. Eine Rückzahlungsklausel verhindert, dass Vergünstigungen in Anspruch genommen und das Unternehmen dann frühzeitig verlassen wird. Damit investieren Sie langfristig ohne Risiko in junge Talente.

 

Umdenken lohnt sich!

 

Studienabbrecher können für Unternehmen erhebliches Potenzial bieten. Sie können nicht nur zu motivierten Fachkräften werden, sondern steigern auch die Attraktivität des Arbeitgebers. Unternehmen können sich als aufgeschlossen und engagiert positionieren – das macht sympathisch und lässt sich gut in Employer Branding-Maßnahmen einbinden. Um Studienabbrecher zu überzeugen, sollten Sie sich ihnen deutlich zuwenden. Machen Sie Ihrer Zielgruppe also klar, dass genau sie im Fokus steht.